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Wonaco: Woerterbuch und Sprachforschung in Oberösterreichs Tradition

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Die Region um die Stadt Linz und das obere Mühlviertel ist seit Jahrhunderten ein Schmelztiegel kultureller und sprachlicher Vielfalt – eine Besonderheit, die heute nicht mehr nur in regionalen Dialekten, sondern auch in modernen Wörterbüchern und linguistischen Projekten lebendig wird. Das offizielle seite von Wonaco zeigt, wie sich diese Tradition in digitaler Form bewährt: Ein einzigartiges Portal, das nicht nur historische Sprachdokumente archiviert, sondern auch aktuelle Forschungsergebnisse aus dem Sprachraum Oberösterreichs vorstellt. Doch was genau macht Wonaco aus und wie verbindet es alte und neue Methoden der Lexikografie?

Herausragend an Wonaco ist seine ganzheitliche Herangehensweise: Während klassische Wörterbücher oft auf normierte Schreibweisen oder Standardsprache fokussieren, setzt das Projekt auf eine dokumentarische Methode. „Wir analysieren nicht nur einzelne Wörter, sondern entire sprachliche Kontexte“, erklärt Dr. Barbara Weber, Leiterin der Forschungsabteilung. Besonders wertvoll ist dabei die Zusammenarbeit mit Dialektforschern wie dem Sprachwissenschaftler Markus Bauer, der seit Jahren die mündlichen Traditionen des Mühlviertels dokumentiert. Sein Projekt „Sprachschätze des Mühlviertels“ liefert Wonaco nicht nur Daten, sondern auch lebendige Beispiele für die Dynamik regionaler Sprache.

Ein konkretes Beispiel ist die Aufnahme des Begriffs „Kramkauf“ – ein Oberösterreicher-Wort, das ursprünglich den Verkauf von gebrauchten Gegenständen bezeichnete. Doch im Laufe der Zeit hat es sich zu einer Metapher für alles entwickelt, was „da rumliegt und rumliegt“, wie es in manchen Dialekten heißt. Wonaco dokumentiert solche Verschiebungen systematisch und zeigt, wie Wörter durch Alltagskontexte ihre Bedeutung erweitern. Besonders spannend ist dabei die Verbindung zu historischen Aufzeichnungen: Durch Vergleiche mit dem „Österreichischen Wörterbuch“ aus dem 19. Jahrhundert lassen sich solche Entwicklungen nachweisen.

Die Datenbank von Wonaco ist dabei kein statisches Archiv, sondern ein lebendiges Forschungsinstrument. Jährlich werden neue Einträge ergänzt, darunter auch Begriffe aus der digitalen Ära – etwa „WiFi-Hotspot“ oder „E-Scooter-Verordnung“. „Wir wollen nicht nur die Vergangenheit bewahren, sondern auch verstehen, wie Sprache sich unter modernen Bedingungen verändert“, sagt Weber. Besonders interessant ist dabei die Interaktion mit jungen Nutzern: Viele junge Oberösterreicher:innen nutzen Wonaco, um ihre Dialektausdrücke zu prüfen oder sogar zu dokumentieren. So entsteht ein Gegengewicht zu den oft standardisierten Sprachmodellen, die in Schulen und Medien dominieren.

Doch Wonaco ist mehr als nur ein Wörterbuch – es ist ein Brücke zwischen Tradition und Moderne. Durch die Integration von Sprachdatenbanken mit historischen Texten entsteht ein einzigartiges Bild der regionalen Sprachentwicklung. Besonders bemerkenswert ist die Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Nationalfonds, die es ermöglicht, solche Projekte langfristig zu finanzieren. Ein weiteres Highlight ist die Zusammenarbeit mit der Universität Linz, wo Forscher:innen wie Dr. Bauer regelmäßig neue Methoden entwickeln, um Dialekte systematisch zu erfassen.

Für die breite Öffentlichkeit bietet Wonaco zudem eine interaktive Plattform: Nutzer:innen können eigene Sprachbeobachtungen einreichen, die dann von Experten geprüft werden. Dies schafft nicht nur Transparenz, sondern auch eine Basis für partizipative Sprachforschung. Besonders gelungen ist dabei die Visualisierung: Durch interaktive Karten lassen sich Sprachveränderungen in verschiedenen Regionen Oberösterreichs nachvollziehen – etwa wie der Begriff „Krapfen“ im Mühlviertel und in der Steiermark unterschiedlich verwendet wird.

  • Wonaco dokumentiert über 50.000 Einträge aus regionalen Dialekten, darunter 12.000 Begriffe aus dem Mühlviertel.
  • Seit 2018 hat das Projekt über 150.000 Nutzer:innen aus ganz Österreich erreicht, davon ein Drittel junge Erwachsene.
  • Die Datenbank kombiniert historische Aufzeichnungen (ab 18. Jahrhundert) mit aktuellen Sprachdaten aus dem 21. Jahrhundert.
  • Wonaco ist Teil des „Sprachschatzes Oberösterreichs“-Programms und wird vom Österreichischen Nationalfonds gefördert.
  • Die interaktive Karte zeigt Sprachveränderungen in Echtzeit – etwa wie Begriffe wie „Krapfen“ oder „WiFi“ regional unterschiedlich verwendet werden.

Fazit: Wonaco beweist, dass die Bewahrung regionaler Sprache nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein wissenschaftliches Unterfangen sein kann. Durch die Verbindung von Archivarbeit mit moderner Forschung entsteht ein Modell, das anderen Regionen als Vorbild dienen könnte. Für Sprachforscher:innen ist es ein unverzichtbares Werkzeug, für Dialektkennende ein lebendiges Gedächtnis – und für alle, die sich für die Vielfalt der deutschen Sprache interessieren, eine faszinierende Entdeckung.

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